"Die Wolkenpumpe - eine dadasophische Ehrerbietung an Raoul Hausmann", Hans Arp Museum, Remagen, BRD

Am 5. Februar 1916 wurde in einem Hinterzimmer eines Gasthauses die DADA Bewegung ins Leben gerufen. Am 5. Februar 2016, genau 100 Jahre danach, begehen wir den 100. Geburtstag dieses Ereignisses mit einer dadasophischen Ehrerbietung an den einzigen österreichischen Dadaisten, Raoul Hausmann – ebenfalls im Hinterzimmer eines Gasthauses. „Die Wolkenpumpe“ ist das neue Capriccio der „Schlüterwerke“ und zeigt mit allen Mitteln des Musiktheaters sämtliche Facetten dieses universellen Künstlers, der bis heute in seiner Heimatstadt Wien vollkommen totgeschwiegen wird. Es gibt keine einzige Gedenktafel, geschweige denn einen Straßennamen, die an ihn erinnern. Auch sein Gymnasium, die Realschule Waltergasse, verschweigt seinen großen Absolventen.

Es wird, dem Anlass gemäß, nur eine einzige Aufführung geben.

Mit Ingala Fortagne, Stephanie Schmiderer, Andrea Köhler, Florian Hackspiel und Béla Bufe.

Musik: siebensterns 5stern orchestra:

Fabian Pollack: Gitarre

Christoph Haritzer: Klarinetten, Akkordeon

Valentin Duit: Schlagwerk

Renald Deppe: Klarinette, Saxophon, Toy-piano, Konzeption

Inszenierung: Markus Kupferblum

11. Februar 2017 um 16h im

Hans Arp Museum Remagen, BRD

 

Die Wolkenpumpe

Eine dadasophische Ehrerbietung
Genau am 100. Geburstag der Gründung der DADA Bewegung, am 5.Februar 2016 um 20h16 erweisen das Ensemble der SCHLÜTERWERKE dem Dadasophen und Künstler, dem einziegen österreichischen Dadaisten Raoul Hausmann die längst überfällige Huldigung. 
Raoul Hausmann war ein gebürtiger Wiener, der schon sehr früh erkannte, dass man als Prophet im eigenen Lande niemals überleben kann. Schon 1901 zog der 1886 das austriakische Licht einer Kaiserwelt erblickt habende Maler, Fotograf und Schriftsteller nach Berlin. In dieser Stadt, wo nicht gearbeitet, sondern geschuftet wird, der immerfleißige Berliner seit jeher wie aufgezogen durch die Stadtlandschaft hetzt und dabei leider ganz vergessen hat, wozu er eigentlich auf der Welt ist – dort rief Hausmann mit Johannes Baader, George Grosz, Tristan Tzara und Richard Huelsenbeck die Berliner Dada-Bewegung ins Leben.
Die ungewohnt provokante Sinngebung jenes Daseins, welches sich im orgiastischen Taumel zwischen den Weltkriegen verzweifelt zu orientieren versuchte, stieß nicht nur beim deutschen Spießer auf verbittert aggressive Widerstände. 1933 begann auch für Raoul Hausmann die schwere Zeit der unfreiwilligen Reisen: Spanien, die Schweiz, Prag und Paris waren dem Erfinder des Lautgedichtes und der Fotomontage flüchtige Heimatwelten. Ab 1940 lebte der große Sohn der kleinlichen Wienstadt im französischen Limoges.
Hausmann, mit Kurt Schwitters zusammen erfand der quergeistige Raoul das sinnfreie Plakatgedicht, betrat niemals wieder den kakanisch schlüpfrigen Geburtsboden am immer blauer werdenden Donaustrome.
Markus Kupferblum entwirft zusammen mit Renald Deppe mit dem Ensemble der Schlüterwerke ein sensitives Lebensportrait jenes Künstlers, dessen Schaffen zwischen Revolte und Poesie auch heute dem Komfortkult konsumierenden Kunstgenossen unerträglich geblieben ist.
 
"Der Maler malt, wie der Ochs brüllt - oder er ist kein Maler. Er malt wie andere gehen, stehen oder schwitzen. Malerei ist eine geistig-vegetative Verdauungsform. In unseren Tagen vergessen. Wie das geschah? Der Maler zog mit dem Sametjackett und der Künstlermähne die Lebensform aus, die Überzeugung, Boheme, Antibourgeoisie, Haltung äußerlich darstellte. Die Hornbrille, das Motorrad, das bisschen Wissen um Maschinen hat den Malern sehr schlecht getan. Sie stellen sich hin und malen ohne jede Überzeugung, ohne Not Bilder, wie sie vor hundert Jahren Waldmüller, Blechen, Runge, Friedrich und andere gemalt haben - nur mit dem Unterschied, dass dort Trieb, Drang und Müssen war, was heute organisierte kleine Originalitätssucht ist.
Im Zeitalter der bürgerlichen Kultur waren aus den Handwerkern genialisch-tuende Persönlichkeiten geworden, die Hauptsächlich für die Bildungswelt der Bourgeoisie (dies in immer zunehmendem Maß) arbeiteten und meist schlechte Beobachter waren, weil sie nur mehr lose in Wirtschaft eingeordnet waren.
In unserer Zeit wird aus dem genialisch-tuenden Künstler ein meist schizophrener Parasit, der nur deshalb nicht ganz aus der Gesellschaft verschwindet, d. h. in Irrenanstalten untergebracht wird, weil er harmlos ist und auch die Bourgeoisie als Abnehmerklasse schizophren geworden ist. Jede soziologische Einordnungsmöglichkeit nimmt steigend ab. "
Raoul Hausmann (Aus: »Die überzüchteten Künste«, 1931)
Raoul Hausmann, geboren 1886 in Wien, wurde bekannt und gefürchtet als "Scharfrichter der bürgerlichen Seele". Als Dadaist der ersten Stunde und radikaler Quer- und Umdenker wohlvertrauter Wertvorstellungen erlangte Haussmann als kämpferischer Freigeist und interdisziplinär agierender Künstler internationale Anerkennung.
In seiner Geburtsstadt jedoch wurde das umfangreiche Œvre Hausmanns kaum rezipiert, geriet das vieldeutige Werk des provokanten "Dadasophen" zunehmend in Vergessenheit: nicht eine Gasse, kein Platz wurde nach ihm benannt. "Immerhin bin ich der größte Experimentator Österreichs" schrieb Raoul Hausmann, "aber niemand ist ein Prophet in seinem Vaterland. Sorry Sir."
Sorry, Raoul Hausmann: möge der  growl for raoul" dich im nachhinein wohlfein ehren wie faustisch erfreuen.
"Kunst ist Kraft der Erinnerung" lautete ein Kernsatz von dir, dem in Österreich, genauer: im Fünften Wiener Gemeindebezirk Geborenen. Nicht immer gilt und galt dieser wunderbare Gedanke für die Kunst, für die kulturellen Lebenszeichen in und aus Österreich. Aber immer öfter...
In diesem Sinne: Herzlich Willkommen!

 
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